So viel schöne Worte
16.2.
Ich schicke ihm um 6.12 Uhr, was ich heute schon geschrieben hab.
17.2.
Manchmal ist das Wichtige das, was nicht unterstrichen ist.
Ich bin am härtesten mit mir selbst.
Verrückte Perücken und Role Play,
Ich gehe zu Fasching als alte Version von mir selbst.
Wenn du soweit bist, öffne deine Augen.
Wir sind im Demel – dein Vorschlag – und du gibst mir einen Faschingskrapfen aus, bevor du zurück an die Arbeit gehst und ich nachhause.
Mein Oberschenkel in der Klotür, bevor du sie zuschlagen kannst, mein Oberschenkel zwischen deinen an der Toilettenwand.
18.2.
Gedichte von Goethe für meine Nöte.
Gedicht von Rilke für seine.
19.2.
Eklatante Edelpost.
Risiko, buttergelbes Diamantrad
Ich bringe ihr Wiener Zucker nach Berlin mit.
Der erste Satz ist der wichtigste.
Kleine Revolten, die wir niemals lassen sollten.
In der Woche bin ich meist nur zum Schlafen zuhause,
mein Leben ist jetzt ein anderes,
Kette um seinen Hals wie bei Thomas Anders.
Letzte Vorstellung
Ich bin die Prophetin, er der Verflossene.
Gehe unsere Ruinen erkunden.
You carved your name inside of my eyes
Ich träume von dir und meine Gefühle für dich werden wieder ins Programm aufgenommen.
Der Uberfahrer sagt, ich werde Liebe finden.
Wer, wenn nicht ich.
Ich komme an und stelle mich in die Schlange, es schneit und alle wollen rein.
Vor mir steht eine Freundin von Euch,
mich wundert gar nichts mehr.
Solo
Ich bin solo auf dem Konzert, aber wie kann man solo sein unter so vielen Leuten.
Teile von ihnen sind Teile von mir, Teile von mir sind Teile von ihnen.Wie im Club
Sängerin der Vorband hieß Page Turner,
ich schreibe einen.
Bühnenpräsenz der Frontsängerin bei 110 Prozent,
die anderen stehen ungewollt, doch freiwillig im Schatten,
verstehen nicht: die Bühne ist groß genug für alle
und ich finde, sie sollte Soloplatten machen.
20.2.
Ein Stück Avocado landet in der Schleife, die um meinen Hals hängt.
Lese Zeitung im Flixbus, ist das performativ?
Ich bringe das Verruchte nach München
und ihr Freund hat den Kirchenschlüssel.
Niveauvoll Pferde stehlen.
Auf den obersten Plätzen sieht man den Kronleuchter am besten.
Die Dame im Klo hinter mir sagt, „Wenn ich Sie so ansehe, dann muss ich daran denken, dass ich so auch mal ausgesehen habe“.
Vergänglichkeit und Schönheit sind überall.
Die Ballerina verliert durch seine Liebe ihre Flügel.
Ich habe meine wieder.
22.2.
Tagebuch.
Ich bin das erste Mal im Kunsthistorischen Museum. Ich sitze im Café an einem Rondellplatz, mit einem Stück Schololadenmoussetorte und einem schwarzen Tee. Über mir die Prunkkuppel. Ich habe Tränen in den Augen. Von hier aus schaue ich direkt auf das Naturhistorische Museum gegenüber, es ist als wäre ich angekommen. Jeden Morgen laufe ich diesen Weg und habe die Stadt zu meiner gemacht. Ich war nie hier und jetzt will ich mir eine Jahreskarte kaufen. Gestern waren Erika und ich in München in der Alten Pinakothek, ich entdecke die alten Meister:innen neu. Der Kellner meint, er gibt mir seine Nummer und so komme ich immer rein. Er fragt, was ich schreibe. Ich sage, ich schreibe jeden Tag Tagebuch. “Wofür?” “Ich bin Schriftstellerin und Sie kommen dann in mein Buch”. Er fragt, wie ich heiße, ich sage Nora. Er freut sich über den arabischen Namen. Er heißt Walid. Meine Tage gleichen Kurzgeschichten, sie sind ein Abbild dessen, was möglich ist. Walid gibt mir seine Nummer auf einem Stück Kassenzettel. Ich klebe sie in mein Tagebuch.
16.2.
Ich schicke ihm um 6.12 Uhr, was ich heute schon geschrieben hab, er schreibt So viel schöne Worte.




